{"id":809,"date":"2010-09-19T14:24:17","date_gmt":"2010-09-19T14:24:17","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=809"},"modified":"2010-09-19T14:24:17","modified_gmt":"2010-09-19T14:24:17","slug":"unklare-unterschiede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2010\/09\/19\/unklare-unterschiede\/","title":{"rendered":"Unklare Unterschiede"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Auf der 4. deutschsprachigen internationalen psychoanalytischen Tagung (DipsaT) in Wien (16.-19.9.2010) hat Udo Hock unter Bezugnahme auf Jean Laplanche ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Primat des (konkreten) Anderen bei der Entstehung des Unbewussten gehalten (vgl. Hock 2010). Der Andere in Gestalt des verf\u00fchrenden Vaters, den Ernst Kris bei der ersten Herausgabe der Flie\u00dfbriefe editorisch verschleiert hat, indem er konkrete Passagen in Freuds Briefen zensurierte,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">k\u00f6nnte, so Hock, gerade in einer Zeit der \u00f6ffentlichen Entdeckung von missbrauchenden Lehrern und anderen perversen Vaterfiguren f\u00fcr eine Theorie der Perversion nutzbar gemacht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jochen Haustein betonte in seinem Beitrag, in dem er sich unter anderen auf Mervin Glasser bezog, dass Perversion mit einer mangelnden Anerkennung der Realit\u00e4t einhergeht, wobei Sexualisierung als Abwehrmechanismus gegen destruktive Tendenzen eingesetzt wird. Die Verleugnung der Realit\u00e4t, der eine Missrepr\u00e4sentation der Realit\u00e4t vorausgeht, bezieht sich auf die sogenannten\u00a0 <em>facts of life<\/em>, zu welchen Generationengrenzen, Geschlechtergrenzen, Abh\u00e4ngigkeit und Tod zu z\u00e4hlen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Michael Diercks fragte in der Diskussion nach dem Verh\u00e4ltnis der \u00dcberlegungen von Hock und Haustein. Offensichtlich gibt es Unterschiede, je nachdem, ob der Fokus auf einer V\u00e4ter\u00e4tiologie oder auf einer Pervertierung der Realit\u00e4tswahrnehmung liegt. Sabine Janda erw\u00e4hnte in ihrem Koreferat Oktave Mannonis Perversionsformel: &#8222;Ich wei\u00df ja, aber&#8230;&#8220; Sie bezog diese ambivalente Mischung zwischen Wissen und Nichtwissen auf die Realit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Unterschied zwischen den skizzierten Ans\u00e4tzen besteht m\u00f6glicherweise darin, dass es um nicht genau dieselbe (Art von) Anerkennung von nicht ganz genau derselben\u00a0 (Facette von) Realit\u00e4t geht: Im Rahmen einer Theorie, die die Vorg\u00e4ngigkeit des Anderen in den Vordergrund r\u00fcckt, meint &#8222;Anerkennung der Realit\u00e4t&#8220; die &#8222;Anerkennung (der Realit\u00e4t) der Kastration&#8220;, wobei sich Kastration (mit Lacan) auf Geschlechtlichkeit und Sterblichkeit bezieht. Diese beiden Momente werden allerdings auch als <em>facts of life<\/em> genannt, womit sich im ersten Moment die Unterschiede wieder verwischen. Es scheint dieselbe Realit\u00e4t zu sein, die es anzuerkennen gilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus einer Diskussionsbemerkung von Udo Hock l\u00e4sst sich ein anderer Unterschied postulieren: Sexualisierung kann im Rahmen des von ihm vorgestellten Konzepts nicht als pathologischer Abwehrmechanismus der Perversion angesehen werden, denn sie ist Teil jeder Behandlung, sofern eine \u00dcbertragungsbeziehung \u00c4hnlichkeit mit einer Liebesbeziehung hat. Das l\u00e4sst daran denken, dass ein Unterschied zwischen beiden Positionen in der Ansicht dar\u00fcber liegt, ob das Sexuelle als Teil der Realit\u00e4t anzusehen ist, die es anzuerkennen gilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hock, Udo (2010): Der perverse Vater, in: <em>Jahrbuch der Psychoanalyse. Beitr\u00e4ge zu Theorie, Praxis und Geschichte<\/em> 60\/2010, 123-150.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der 4. deutschsprachigen internationalen psychoanalytischen Tagung (DipsaT) in Wien (16.-19.9.2010) hat Udo Hock unter Bezugnahme auf Jean Laplanche ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12,13],"tags":[100,119,145],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/809"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=809"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/809\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=809"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=809"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=809"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}