{"id":734,"date":"2010-07-21T15:50:50","date_gmt":"2010-07-21T15:50:50","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=734"},"modified":"2010-07-21T15:50:50","modified_gmt":"2010-07-21T15:50:50","slug":"sprechstunde-dr-spielvogel-behandlungsplatze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2010\/07\/21\/sprechstunde-dr-spielvogel-behandlungsplatze\/","title":{"rendered":"Sprechstunde Dr. Spielvogel: Behandlungspl\u00e4tze"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"margin-bottom: 0cm; text-align: justify;\">Sehr geehrter Doktor Spielvogel!<\/h5>\n<h5 style=\"margin-bottom: 0cm; text-align: justify;\">In den \u00f6sterreichischen Nachrichten h\u00f6re ich, dass die psychischen Erkrankungen stetig zunehmen. Es gibt nur leider ohnedies schon viel zu wenig Behandlungspl\u00e4tze f\u00fcr sychologische Therapie. Ein Experte hat heute fr\u00fch im Radio gesagt, dass oft f\u00fcnf oder zehn Therapiestunden ausreichen w\u00fcrden, damit alles wieder gut wird. Warum werden diese paar Stunden nicht angeboten? Wenn ich mir ein Bein breche, habe ich doch auch ein Recht auf einen Gips.<\/h5>\n<h5 style=\"margin-bottom: 0cm; text-align: justify;\">K\u00f6nnen Sie mir das erkl\u00e4ren?<\/h5>\n<h5 style=\"margin-bottom: 0cm; text-align: justify;\">Vielen Dank im Voraus.<\/h5>\n<h5 style=\"margin-bottom: 0cm; text-align: justify;\">Ihr K. R\u00fccke<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \t\t@page { margin: 2cm } \t\tP { margin-bottom: 0.21cm } --><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; text-align: justify;\">Sehr geehrter Herr R\u00fccke,<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; text-align: justify;\">\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; text-align: justify;\">nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Wir sollten uns zuerst fragen: Worin bestehen die \u00c4hnlichkeiten zwischen einem Beinbruch und einer psychischen Erkrankung? Da zeigt es sich dann, dass nicht die \u00c4hnlichkeiten, sondern die Unterschiede \u00fcberwiegen. Denn beide, Beinbruch und psychische Erkrankung, zeigen zwar H\u00e4ufungen, aber der Beinbruch beim Skifahren und die psychischen Erkrankungen bei Frauen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; text-align: justify;\">\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; text-align: justify;\">Der Gips bei einem Beinbruch bleibt im Durchschnitt f\u00fcnf bis zehn Wochen angelegt. Daher mag dem Experten die Idee gekommen sein, dass f\u00fcnf bis zehn auch f\u00fcr die psychische Erkrankung genug sein m\u00fcssen \u2013 wobei f\u00fcnf bis zehn Stunden doch deutlich weniger sind als f\u00fcnf bis zehn Wochen. Allerdings muss ich Sie gleich warnen: Auch in f\u00fcnf bis zehn Wochen sind psychisch keine Heilungen zu erwarten. In so kurzer Zeit sind im besten Fall \u00dcbertragungsheilungen m\u00f6glich. Die funktionieren so, als w\u00fcrde ein Arzt bei einem gebrochenen Bein nicht einen Gips, sondern seine H\u00e4nde auf das Bein des Verletzten legen. Da mag der Schmerz schon f\u00fcr kurze Zeit vergessen werden. Aber wenn die H\u00e4nde weg sind, ist alles wieder beim Alten.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Hochachtungsvoll<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Spielvogel<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">P.S.: Sie fragen sich nun vielleicht, warum eine psychoanalytische Therapie so lange dauert. Haupts\u00e4chlich deshalb, weil die Psyche kein Knochen ist und sich trotzdem mit gro\u00dfer H\u00e4rte jeder Ver\u00e4nderung widersetzt. &#8222;Freud hat einmal das Bewu\u00dftsein des Menschen mit einem Salon verglichen, in dem allerlei Leute emfangen werden. Im Vorraum, hinter der verschlossenen T\u00fcr des Unbewu\u00dften staut sich die verdr\u00e4ngte Masse psychischer Wesenheiten und an der T\u00fcr steht ein W\u00e4chter, der in das Bewu\u00dftsein nur hineinl\u00e4\u00dft, was salonf\u00e4hig ist. Danach k\u00f6nnen die Widerst\u00e4nde von drei Stellen ausgehen, vom Salon, dem Bewu\u00dftsein aus, das bestimmte Dinge nicht einlassen, will, vom W\u00e4chter\u00a0 aus, einer Art Vermittler zwischen Bewu\u00dftem und Unbewu\u00dftem, der in hohem Grade vom Bewu\u00dftsein abh\u00e4ngig, doch immerhin eigenen Willen besitzt und hie und da eigensinnig den Eintritt verwehrt, obwohl das Bewu\u00dftsein die Erlaubnis gab, und vom Unbewu\u00dften selbst, das keine Lust hat, sich in der anst\u00e4ndig langweiligen Umgebung des Salons aufzuhalten&#8220; (Georg Groddeck (1923), Das Buch vom Es. Frankfurt\/M.: Stroemfeld 2004, 140 f.).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Doktor Spielvogel! 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