{"id":606,"date":"2010-04-03T17:20:55","date_gmt":"2010-04-03T17:20:55","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=606"},"modified":"2010-04-03T17:20:55","modified_gmt":"2010-04-03T17:20:55","slug":"liebesbriefe-und-andere-botschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2010\/04\/03\/liebesbriefe-und-andere-botschaften\/","title":{"rendered":"Liebesbriefe und Botschaften an andere"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Vor wenigen Jahren war noch Erstaunen dar\u00fcber angebracht, wie sich die Kultur der Liebesbriefe im Netz gewandelt hat. Renata Salecl erz\u00e4hlt von ausgedehnten Anweisungen, die bei genauer Befolgung ein respektables Endprodukt garantieren. Sie reichen vom Rat, beim Verfassen eines Liebesbriefs die eigene Lieblingsmusik aufzulegen bis hin zu w\u00f6rtlichen Empfehlungen f\u00fcr das Ende des Briefes, in der Art von &#8222;Loving you forever&#8220; oder &#8222;My heart is yours&#8220;.<!--more--><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-609\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/RealLoveLetter-150x150.jpg\" alt=\"RealLoveLetter\" width=\"150\" height=\"150\" \/><br \/>\nWem solche detaillierten Instruktionen zu kompliziert sind, f\u00fcr den hat das Internet <a href=\"http:\/\/2cu.at\/liebesbrief\/\">Fertigprodukte<\/a> anzubieten. Mit wenigen Basisinformationen wird der Brief auch von der Maschine hergestellt. Besonders erstaunlich scheint dabei, dass die Briefe oftmals gar nicht an andere, sondern an die Absender selbst adressiert werden. Salecl erkl\u00e4rt das unter Verweis auf Lacan damit, dass Liebesbriefe ganz generell nicht an die Geliebten gerichtet werden, sondern stets an das Subjekt, das sie schreibt (vgl. Salecl 2004, 29f.).<br \/>\nMit <em>web2.0<\/em> und den damit aufgekommenen Anwendungen wie <em>twitter<\/em> oder <em>facebook <\/em>scheint sich die imagin\u00e4re und narzisstische Dimension der Bezugnahme auf andere zur\u00fcck gebildet zu haben. Computer und Mobiltelefon im Verbund machen es leichter, andere zu erreichen, zu jeder Tages- und Nachtzeit, zu jedem Problem, in jeder Verfassung. Auch wenn die narzisstische Gratifikation in Form einer m\u00f6glichst gro\u00dfen Zahl von FreundInnen auf <em>facebook <\/em>f\u00fcr manche\/n noch anstrebenswert sein mag, ist nicht zu \u00fcbersehen, dass die technische Entwicklung die Verh\u00e4ltnisse zwischen Subjekten und anderen wieder einmal modifiziert.<br \/>\nDabei ist allerdings keineswegs klar, wie dieses Verh\u00e4ltnis dabei ver\u00e4ndert wird. Ist die Entwicklung neuer interaktiver Netzanwendungen Ausdruck eines perversen Wunsches, dem Anderen angesichts des Niedergangs der v\u00e4terlichen Autorit\u00e4t noch zu einem letzten Auftritt zu verhelfen? Oder sollen wir im verbreiteten Gebrauch dieser Technologien ein neurotisches Symptom sehen, das sich der Begegnung mit dem konkreten Anderen au\u00dferhalb des Netzes in einer subjektkonstitutiven Wiederholungsschleife entzieht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Renata Salecl (2004): The Anxiety of Love Letters, in: Todd McGowan, Sheila Kunkle (Hg.): Lacan and Comtemporary Film, New York: Other Press 2004, 29-45.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor wenigen Jahren war noch Erstaunen dar\u00fcber angebracht, wie sich die Kultur der Liebesbriefe im Netz gewandelt hat. Renata Salecl erz\u00e4hlt von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,12,13],"tags":[32,78,92,100,130,145],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/606"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=606"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/606\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=606"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=606"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=606"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}