{"id":565,"date":"2010-03-07T21:25:09","date_gmt":"2010-03-07T21:25:09","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=565"},"modified":"2010-03-07T21:25:09","modified_gmt":"2010-03-07T21:25:09","slug":"willkommunikation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2010\/03\/07\/willkommunikation\/","title":{"rendered":"Willkommunikation"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Auf der (seit einiger Zeit nicht mehr zug\u00e4nglichen) Seite der Studentenproteste <em>Bologna burns<\/em> findet sich der Ausdruck <em>Willkommunikation<\/em>, eine zun\u00e4chst ungew\u00f6hnlich anmutende Wortneubildung. F\u00fcr Storfer w\u00fcrde dieses Wort zu den Verschmelzungsw\u00f6rtern geh\u00f6ren, wie der Krokodilettantismus, der<!--more-->Papageizkragen oder das Kabeljauchzen (A. J. Storfer: W\u00f6rter und ihre Schicksale. Berlin: Verlag Vorwerk8 2000, 56). All diese Worte sind so etwas wie sprachgewordene Chim\u00e4ren (Freud vergleicht sie mit Kentauren), wilde Gebilde aus zwei unterschiedlichen Reichen. Im geeigneten Zusammenhang wirken sie witzig. Sie dienen dazu, eine kurzschlussartige Verbindung zwischen zwei Vorstellungen zu erzeugen. Auf solche Verbindungen, die mit einer indirekten Wiederkehr des Verdr\u00e4ngten verbunden sind, kann sich das Symptom st\u00fctzen.<br \/>\nIst die Willkommunikation also ein Symptom?<br \/>\nF\u00fcr Freud haben wir es beim Symptom mit der Wiederkehr des Verdr\u00e4ngten in Form von Ersatzbildungen, Kompromissbildungen oder Reaktionsbildungen zu tun. Lacan, der bei der Neurose von Symptomen, bei der Psychose von Ph\u00e4nomenen und bei der Perversion von Akten spricht, wird das Symptom mit verschiedenen Momenten der Sprache in Verbindung gebracht. Er sieht im Symptom einerseits einen Signifikanten, dann den Vorgang der Bezeichnung, andererseits eine Metapher und schlie\u00dflich eine Botschaft (Dylan Evans, Dictionary of Lacanian Psychoanalysis. London: Routledge 1996, 203 f.).<br \/>\nDie Willkommunikation w\u00e4re so betrachtet etwas Artikuliertes (Signifikant), dem Bedeutung zukommen kann, aber auch der Prozess (Bezeichnung), in dem Bedeutung hervorgebracht wird, vielleicht aber auch der Ausdruck von etwas ganz Anderem (Metapher) oder eine an die LeserInnen gerichtete Nachricht (Botschaft).\u00a0 Was aufgenommen werden kann von einem Symptom, h\u00e4ngt nicht zuletzt von den LeserInnen\/H\u00f6rerInnen ab.<br \/>\nF\u00fcr Freud waren Symptome nichts, was vom Analytiker zum Verschwinden gebracht werden soll. Ernst Blum erz\u00e4hlt von einer diesbez\u00fcglichen \u00c4u\u00dferung Freuds aus seiner eigenen Analyse bei Freud im Jahr 1922: &#8222;Die L\u00f6sung der Symptome geschieht nicht dadurch, dass das Symptom verschwindet, wenn der Zusammenhang zwischen ihm und dem verdr\u00e4ngten Traume hergestellt ist; sondern dass man dann f\u00e4hig ist, das Symptom zum Verschwinden zu bringen. Meistens wird der Betroffene es ja tun, da ihn das ja in die Analyse gef\u00fchrt hat. Wenn das Symptom aber ichgerecht ist, kann er es behalten, zum Beispiel seine Liebe, diese als Symptom betrachtet&#8220; (Manfred Pohlen: Die Sitzungsprotokolle Ernst Blums. Reinbeck: Rowohlt 2006, 186 f.).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der (seit einiger Zeit nicht mehr zug\u00e4nglichen) Seite der Studentenproteste Bologna burns findet sich der Ausdruck Willkommunikation, eine zun\u00e4chst ungew\u00f6hnlich anmutende [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,7,13],"tags":[61,63,72,92,97,109,132,146],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/565"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=565"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/565\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}