{"id":508,"date":"2010-01-23T18:59:45","date_gmt":"2010-01-23T18:59:45","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=508"},"modified":"2010-01-23T18:59:45","modified_gmt":"2010-01-23T18:59:45","slug":"gesetz-der-mutter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2010\/01\/23\/gesetz-der-mutter\/","title":{"rendered":"Gesetz der Mutter"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_513\" aria-describedby=\"caption-attachment-513\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-513 \" title=\"effi-briest\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/effi-briest.jpg\" alt=\"Szene aus Effi Briest\" width=\"450\" height=\"307\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-513\" class=\"wp-caption-text\">Szene aus Effi Briest. Foto: Rose<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Franz Kaltenbeck hat heute in der Diskussion im Anschluss an seinen Vortrag \u00fcber Genevi\u00e8ve Morels Buch <em>La loi de la m\u00e8re<\/em> die Ansicht vertreten, dass das Gesetz der Mutter mit der Macht der Mutter gleichzusetzen w\u00e4re. Es handle sich um ein anarchisches, unverhandelbares, materialisiertes Sprechen der Mutter, das seine Wirkung im (sp\u00e4teren) Leben des Kindes entfaltet insbesondere, sofern es unverst\u00e4ndlich bleibe. Unklar blieb in der Diskussion, ob f\u00fcr die so beschriebene Sache der Ausdruck &#8222;Gesetz&#8220; passend ist.<!--more--><br \/>\nJacques Lacan (Le Seminaire. Livre\u00a0 V: Les formations de l&#8217;inconscient. Seuil 1998, 188) verwendet den Ausdruck &#8222;la loi de la m\u00e8re&#8220; in folgendem Kontext (\u00dcbersetzung UK):<br \/>\n&#8222;Insofern findet sich das Kind, das seine Mutter als Subjekt auf Basis der ersten Symbolisierung konstituiert, g\u00e4nzlich dem unterworfen, was wir &#8211; allerdings einzig durch eine Vorwegnahme &#8211; das Gesetz nennen k\u00f6nnen. Das ist nur eine Metapher. Es ist notwendig, diese Metapher, die in dem Begriff &#8222;das Gesetz&#8220; enthalten ist, zu entfalten, um ihr ihre wahre Stellung f\u00fcr den Moment zu verleihen, in dem ich sie anwende.<br \/>\nDas Gesetz der Mutter ist wohlgemerkt die Tatsache, dass die Mutter ein sprechendes Wesen ist, und das reicht, um zu legitimieren, dass ich <em>das Gesetz der Mutter<\/em> sage. Nichtsdestoweniger ist dieses Gesetz, wenn ich so sagen darf, ein unkontrolliertes Gesetz. Es enth\u00e4lt einfach, und zwar als guten oder b\u00f6sen Wert der Mutter, die gute oder b\u00f6se Mutter &#8211; zumindest f\u00fcr das Subjekt, in der Tatsache, dass etwas in seinem Begehren vollst\u00e4ndig abh\u00e4ngig ist von etwas anderem, das sich ohne Zweifel schon als solches artikuliert, das wohl von der Ordnung des Gesetzes ist, aber dieses Gesetz ist g\u00e4nzlich innerhalb des Subjekts, das es st\u00fctzt.&#8220;<br \/>\nAus dieser Passage geht hervor, dass Lacan nach einem Ausdruck f\u00fcr Melanie Kleins gute bzw. b\u00f6se Mutter in seiner eigenen Beschreibungssprache sucht. Ich habe nicht den Eindruck, dass er hier das Wort &#8222;Gesetz&#8220; leichtfertig anwendet auf etwas, was strenggenommen nicht als Gesetz zu bezeichnen w\u00e4re, weil es keiner \u00dcbereinkunft unterliegt. Er scheint vielmehr sagen zu wollen, dass es Gesetz nur in seiner Verbindung zum v\u00e4terlichen Gesetz genannt werden kann, als eine Vorwegnahme gleichsam.<br \/>\nEs bleibt nat\u00fcrlich die Frage, wie sich dieses Gesetz zum unberechenbaren K\u00f6rper der Mutter verh\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Franz Kaltenbeck hat heute in der Diskussion im Anschluss an seinen Vortrag \u00fcber Genevi\u00e8ve Morels Buch La loi de la m\u00e8re die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,13],"tags":[48,89,90,145],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/508"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=508"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/508\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=508"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}