{"id":442,"date":"2009-12-30T15:55:36","date_gmt":"2009-12-30T15:55:36","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=442"},"modified":"2009-12-30T15:55:36","modified_gmt":"2009-12-30T15:55:36","slug":"sexualitat-und-sexuierung-in-lacans-lehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2009\/12\/30\/sexualitat-und-sexuierung-in-lacans-lehre\/","title":{"rendered":"Sexualit\u00e4t und Sexuierung in Lacans Lehre"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Claude-No\u00eble Pickmann schreibt (zum Teil in Anlehnung an Lacans Seminar XX): Freuds Entdeckung des Unbewussten impliziert die Ausarbeitung einer Theorie der Sexualit\u00e4t im Ausgang von zwei Pr\u00e4missen.\u00a0 Freud hat der menschlichen Sexualit\u00e4t auf der einen Seite einen Mangel an Genie\u00dfen zugeschrieben. Auf der anderen Seite wird die Sexualit\u00e4t durch eine Zweckmittelbeziehung subvertiert, die sie mit dem \u00dcberleben der Art verbindet. Zumal das Objekt des Triebs variabel ist, bedarf es des unbewussten Fantasmas, das als L\u00f6tstelle f\u00fcr die sonst unverbundenen Bestandteile fungiert.<!--more--><\/p>\n<figure id=\"attachment_444\" aria-describedby=\"caption-attachment-444\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-444 \" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Caduveo1-300x155.jpg\" alt=\"Caduveo1\" width=\"300\" height=\"155\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-444\" class=\"wp-caption-text\">aus: Claude L\u00e9vy-Strauss (1935), Anthropologie structurale<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sexuierung hat Freud m\u00e4nnlich gedacht, weil er annahm, dass im Unbewussten nur das m\u00e4nnliche Geschlecht als Signifikant verankert ist. Das Unbewusste kann nichts \u00fcber das weibliche Geschlecht sagen, denn das ist im Unbewussten verworfen. (Cf.: \u0141a femme n&#8217;existe pas.) Das bedeutet nicht, dass Frauen keinen Zugang zu ihrem k\u00f6rperlichen Geschlecht haben. Es gibt nur keinen Signifikanten f\u00fcr das anatomisch Fassbare.<br \/>\nDie Frau wird zum Ort der Frage nach dem Anderen. Diese Frage ist der m\u00e4nnlichen Position verstellt, denn von dieser aus gibt es nur das Eine, das Ganze, nicht den oder das Andere (kein Anderer des Anderen). Die Frau hat dar\u00fcber, dass sie nicht das Ganze ist, Zugang zur Andersheit. Das Nicht-Ganze, die weibliche Seite der Erfahrung, konfrontiert mit der Inexistenz des Anderen, mit dem leeren Hohlraum, der nach seinem Verschwinden zur\u00fcckbleibt. Denken im Ausgang vom Unm\u00f6glichen und der Kluft im Anderen. Das muss nicht gut gehen. Aber es kann auch Zugang zu einem Genie\u00dfen des Anderen erm\u00f6glichen \u00e4hnlich wie bei bestimmten Mystikerinnen, deren K\u00f6rper davon durchdrungen war. Zumindest impliziert es ein spezifisches Savoir-faire der Frau im Umgang mit der Kluft im Anderen, bei der nicht mit einer Abdeckung des Objekts, nicht mit der Tamponade einer phallischen Ersetzung und auch nicht mit einem Verschwinden des Subjekts im Genie\u00dfen des anderen zu rechnen ist.<br \/>\nPickmann bringt dieses Savoir-faire mit T\u00e4towierungen im Gesicht von Caduv\u00e9o-Frauen in Zusammenhang. Claude L\u00e9vy-Strauss hat in den Drei\u00dfiger Jahren eine Reihe von Fotos dieser am Ufer des Rio Paraguay lebenden Frauen gemacht. Die T\u00e4towierungen liest Pickmann als eine Art geheimes Wissen der Frauen, die mit dieser Hautkennzeichnung als Objekte in einen phallischen Austauschprozess zwischen M\u00e4nnern eintreten konnten, ohne dass die M\u00e4nner wussten, wie das alles funktioniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fragen:<br \/>\nKommen gegenw\u00e4rtige mitteleurop\u00e4ische Geschlechterverh\u00e4ltnisse ohne derlei Geheimwissen aus?<br \/>\nWenn nicht, was funktioniert wie die T\u00e4towierungen?<br \/>\nSind es Formen des Schminkens?<br \/>\nUnd was bedeutet dann das Schminken von M\u00e4nnern?<br \/>\nVerf\u00fcgen diese M\u00e4nner \u00fcber ein weibliches Geheimwissen oder m\u00f6chten sie es sich aneignen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: Claude-No\u00eble Pickmann (2008): Sexualit\u00e9 et sexuation dans l&#8217;enseignement de Lacan, in: Marcel Drach, Bernard Toboul: L&#8217;anthropologie de L\u00e9vi-Strauss et la psychanalyse. D&#8217;une structure l&#8217;autre, Paris: La D\u00e9couverte, 107-114.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claude-No\u00eble Pickmann schreibt (zum Teil in Anlehnung an Lacans Seminar XX): Freuds Entdeckung des Unbewussten impliziert die Ausarbeitung einer Theorie der Sexualit\u00e4t [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,13],"tags":[32,93,120,121],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/442"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=442"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/442\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=442"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=442"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}