{"id":4194,"date":"2013-11-30T10:36:36","date_gmt":"2013-11-30T10:36:36","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=4194"},"modified":"2013-11-30T10:36:36","modified_gmt":"2013-11-30T10:36:36","slug":"keine-rettung-des-vaters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2013\/11\/30\/keine-rettung-des-vaters\/","title":{"rendered":"Keine Rettung des Vaters?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Lacan hat den \u00d6dipuskomplex in den F\u00fcnfziger Jahren immer wieder aufgegriffen. Nicht nur rekurriert er in seinen Seminaren \u00fcber <em>Die Psychosen<\/em>, \u00fcber <em>Die Objektbeziehung<\/em> und \u00fcber <em>Die Bildungen des Unbewussten<\/em> affirmativ auf ihn. Sondern er bringt den f\u00fcr Freud zentralen Mythos mit Elementen <!--more-->seiner eigenen Theorie in Verbindung. So unterscheidet er etwa einen imagin\u00e4ren von einem realen Vater oder eine symbolische Mutter (vgl. dazu Grigg 2008, 37f.). Das ist alles nichts Neues in diesem blog. Weniger ber\u00fccksichtigt ist, dass Lacans Besch\u00e4ftigung mit dem \u00d6dipuskomplex Ende der Sechziger Jahre in eine Ablehnung seines Wertes f\u00fcr die Kur m\u00fcndet. Lacan l\u00f6st dabei zun\u00e4chst die Verbindung zwischen dem Kastrationskomplex und dem \u00d6dipuskomplex, entfernt die familiale Romantik\u00a0 (ebd., 46) und verabschiedet sich schlie\u00dflich von \u00d6dipus, der nicht so sehr ein Mythos sei, sondern ein zu analysierender Traum Freuds (vgl. Lacan 1991, 134). Die Analyse dieses Traums zeige, dass Freud mittels des \u00d6dipuskomplexes den Vater retten wollte (vgl. Grigg 2008, 47ff.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch der Vater als eine Funktion ist, so l\u00e4sst sich Lacan verstehen, auf diese Weise nicht mehr zu retten &#8211; weder in der Kur noch in der Kultur. Der f\u00fcr den \u00d6dipuskomplex in der Kur konstitutive Diskurs der Hysterikerin tr\u00e4gt nicht (mehr) genug. Sie, die so tut, als wolle sie den Anderen regieren lassen, um selbst zu herrschen (vgl. Grigg, 53), hat keinen gro\u00dfen Einfluss mehr auf das, was sich als Psychoanalyse halten kann.\u00a0 Da hilft kein Rekurs auf ein vereinigtes Elternpaar, mit dem nichts anderes als ein Hehler des Genie\u00dfens unter dem Namen &#8222;Gott&#8220; eingef\u00fchrt werde (vgl. Lacan 1991, 113). \u00c4hnliches sah Lacan auch am Werk in dem, was manche Ende der Sechziger Jahre f\u00fcr revolution\u00e4r angesehen haben: es wird (vergeblich) nach einem Herrn gesucht (vgl. ebd., 239). Lang schon ist die Mutter ins Zentrum ger\u00fcckt, deren, von erdr\u00fcckendem Genie\u00dfen gepr\u00e4gtem Begehren so gut wie gar nicht zu entkommen ist. Lacans Antwort jenseits des \u00d6dipus sind die vier Diskurse. Der Herr, der als Signifikant dabei ist, habe nur sehr entfernte Bez\u00fcge zum Konzept des Vaters (vgl. Grigg 2008, 52).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es f\u00e4llt nicht leicht, das so beschworene Schicksal des Vaters zuzuordnen. Der postchristliche Nachgeschmack vergangener Herr-lichkeiten klingt ebenso an wie kulturelle Verschiebungen in den Verh\u00e4ltnissen zwischen Geschlechtern oder Generationen. Und ein weit reichender Pessimismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lit.:<br \/>\nGrigg, Russell (2008): <em>Lacan, Language and Philosophy<\/em>, New York: SUNY.<br \/>\nLacan, Jacques (1991): <em>Le S\u00e9minaire. Livre XVII (1969-1970)<\/em>, Paris: Seuil.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<a href=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2013\/12\/oek.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4195 aligncenter\" title=\"oek\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2013\/12\/oek-300x195.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"195\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lacan hat den \u00d6dipuskomplex in den F\u00fcnfziger Jahren immer wieder aufgegriffen. Nicht nur rekurriert er in seinen Seminaren \u00fcber Die Psychosen, \u00fcber [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[22,46,89,95,145],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4194"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4194"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4194\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4194"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4194"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4194"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}