{"id":4116,"date":"2013-10-31T14:11:52","date_gmt":"2013-10-31T14:11:52","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=4116"},"modified":"2013-10-31T14:11:52","modified_gmt":"2013-10-31T14:11:52","slug":"jallouissance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2013\/10\/31\/jallouissance\/","title":{"rendered":"Der Blick auf vergangene Zeiten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Philippe Garrels <em>La Jalousie<\/em> (2013) beschr\u00e4nkt\u00a0 sich auf Schwarz- und Wei\u00dft\u00f6ne. Keine Farben. Die Voraus-Empfehlungen lassen etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches erwarten. In ihnen ist von &#8222;stets im Materiellen geerdeter Liebe&#8220;, von nicht zu verbergendem Schmerz die Rede, von &#8222;s\u00e4mtlichen Nuancen&#8220;, die erfasst w\u00fcrden im Film, wenn Eltern sich trennen und f\u00fcr ein Kind neue BeziehungspartnerInnen auftauchen (vgl. <em>Der Standard<\/em> Do. 31.10.\/Fr. 1.11.2013, V2).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Film selbst erweist sich als gepr\u00e4gt von einem, vor allem versonnen blickenden Protagonisten (Louis Garrel), der bem\u00fcht ist, diversen Avancen, die sich von seiten der Freundin mit der tiefen Stimme (Anna Mouglalis), von seiten der sch\u00f6nen Schwester (Esther Garrel) oder von seiten seiner Tochter auf ihn richten, etwas abzugewinnen. Er greift eher unerwartet zur Pistole &#8211; und trifft nicht. Ebenso \u00fcberraschend seine Tochter. Erfolgreich sorgt sie f\u00fcr Heiterkeit im d\u00fcsteren Treiben. Fr\u00fcher w\u00e4re sie vielleicht als Wildfang bezeichnet worden, ein agiles Kind, das sich von den angekr\u00e4nkelten Eltern in keiner Weise anstecken l\u00e4sst. Erstaunlich. Auch die Frauenfiguren bef\u00f6rdern mit ihren oftmals hastigen und &#8211; weil nicht nachvollziehbar &#8211; unmotivierten, angeblich eifers\u00fcchtigen Aktionen haupts\u00e4chlich Ratlosigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine feinsinnige psychologische Studie ist der Film wohl kaum. Das soll er vermutlich auch gar nicht sein. Die <a href=\"http:\/\/mubi.com\/notebook\/posts\/philippe-garrels-jealousy-i-filmed-the-angels\">Einordnung in das Gesamtwerk<\/a> des Regisseurs l\u00e4sst eine F\u00fclle von Beziehungen deutlich werden, die der naiven Zuschauerin beim ersten Hinsehen nicht zug\u00e4nglich waren. F\u00fcr Garrel, der in seinen Filmen gerne Verwandte als Schauspieler einsetzt, hat der Film einen besonderen Zweck. Sein Sohn Louis ist mit 30 Jahren so alt wie Philippe Garrels Vater war, als er sich von seiner Frau (und Mutter des Regisseurs) getrennt hat. Die Tochter im Film besetzt die Position des Regisseurs im Leben &#8211; als w\u00e4re der Film vor allem ein transgenerationeller Blick zweier M\u00e4nner in vergangene Zeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei einer \u00f6ffentlichen <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Mhl5WQxFhR0\">Pr\u00e4sentation<\/a> in Venedig wurde Garrel angesprochen auf seine Darstellung der Frauen im Film. Sie sei nicht b\u00f6se, meint er auf eine entsprechende Frage. Er wolle jenen dunklen Teil weiblicher Sexualit\u00e4t darstellen, der oft verschwiegen werde. Ganz \u00fcberzeugend klingt das nicht. Und der Eindruck, dass es im Film mehr um<em> jallouissance<\/em> (Lacan 1991, 107) als um <em>jalousie<\/em>, mehr um das Genie\u00dfen der Eifersucht (einer anderen Person) als um die Erfahrung von Eifersucht geht, verst\u00e4rkt sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lit.:<br \/>\nLacan, Jacques (1991):<em> Das Seminar. Buch XX. Encore,<\/em> Weinheim, Berlin: Quadriga.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<a href=\"http:\/\/stuzzicadenti.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/\/2013\/11\/jalousie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4117 aligncenter\" title=\"jalousie\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2013\/11\/jalousie-300x171.jpg\" alt=\"\" width=\"243\" height=\"139\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Philippe Garrels La Jalousie (2013) beschr\u00e4nkt\u00a0 sich auf Schwarz- und Wei\u00dft\u00f6ne. Keine Farben. Die Voraus-Empfehlungen lassen etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches erwarten. 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