{"id":3893,"date":"2013-08-15T10:56:05","date_gmt":"2013-08-15T10:56:05","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=3893"},"modified":"2013-08-15T10:56:05","modified_gmt":"2013-08-15T10:56:05","slug":"schutzreiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2013\/08\/15\/schutzreiz\/","title":{"rendered":"Schutzreiz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die argentinische K\u00fcnstlerin Nicola Costantino stellt Hautobjekte her: M\u00e4ntel, Taschen, Schuhe oder Fu\u00dfb\u00e4lle aus einem speziellen Silikonmaterial. Mit ihrer ungew\u00f6hnlichen Oberfl\u00e4che regen sie (nicht nur zum Nachdenken) an. Wir sind gewohnt, dass unser K\u00f6rper nach au\u00dfen (oder dem, was wir f\u00fcr au\u00dfen halten) mit unserer Haut abgegrenzt wird. Kleider und Schuhe affirmieren diese Grenze, indem sie sie umspielen. Costantino scheint die Grenze nach au\u00dfen zu verlagern. Und im Rahmen dieser Verlagerung stellt sie mittels der wundersamen Vermehrung von Brustwarzen <!--more-->verdichtet zwei Hautfunktionen auf einmal dar: die Haut als Basis sexueller Erregung und die Haut als Ort libidin\u00f6ser Aufladung (vgl. dazu Anzieu 1996). Reizvoll.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3897\" aria-describedby=\"caption-attachment-3897\" style=\"width: 243px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3897 \" title=\"SchuheKlein\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2013\/08\/SchuheKlein-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"243\" height=\"136\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3897\" class=\"wp-caption-text\">Nicola Costantino (2000): Pair of shoes<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Baldur Burwitz hat in seiner Arbeit <em>Fliege total<\/em> ein anderes, entwicklungsgeschichtlich weiter zur\u00fcck reichendes Element bearbeitet: den Reizschutz. Die Bedeutung der Haut als Reizschutz ist ebenso grundlegend f\u00fcr das Subjekt wie ihre Container- und ihre H\u00fcllenfunktion (vgl. ebd.). In Burwitz&#8216; Arbeit wird, so k\u00f6nnten wir sagen, aus dem Reizschutz ein Schutzreiz. Zwei Momente, der Reiz und der Schutz vor dem Reiz gerinnen zu einer einzigen Schicht, wo tausende K\u00f6rper von toten Fliegen zur Oberfl\u00e4che eines Gesichts geworden sind, aus dem die Augen entsetzt hervorstarren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner <em>Notiz \u00fcber den &#8222;Wunderblock&#8220;<\/em> schreibt Freud 1925 von einem Aufbau aus zwei Schichten: einer weiter au\u00dfen liegenden Schutzschicht \u00fcber einer weiter innen liegenden Schicht zur Reizaufnahme. Unterbrechung ist n\u00f6tig, wo Kontakt entstehen soll. Wenn Reiz und Schutz in eins fallen, wird beides unm\u00f6glich: der Reiz wie der Schutz. Burwitz&#8216; Kopf und der Schutzreiz lassen sich als ekelerregende Metaphern eines ungebremsten Genie\u00dfens begreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Literatur:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anzieu, Didier (1996): <em>Das Haut-Ich<\/em>. Frankfurt\/M.: Suhrkamp.<br \/>\nFreud, Sigmund (1925): Notiz \u00fcber den &#8222;Wunderblock&#8220;. <em>GW XIV<\/em>, 3-8.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3926\" aria-describedby=\"caption-attachment-3926\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3926 \" title=\"BurwitzFliege\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2013\/08\/BurwitzFliege.jpg\" alt=\"\" width=\"204\" height=\"299\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3926\" class=\"wp-caption-text\">Baldur Burwitz (2010):<em> Fliege total<\/em><\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die argentinische K\u00fcnstlerin Nicola Costantino stellt Hautobjekte her: M\u00e4ntel, Taschen, Schuhe oder Fu\u00dfb\u00e4lle aus einem speziellen Silikonmaterial. 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