{"id":3449,"date":"2013-03-03T21:26:26","date_gmt":"2013-03-03T21:26:26","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=3449"},"modified":"2013-03-03T21:26:26","modified_gmt":"2013-03-03T21:26:26","slug":"elektra","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2013\/03\/03\/elektra\/","title":{"rendered":"Elektra"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Eine Besch\u00e4ftigung mit dem \u00d6dipuskomplex f\u00fchrt nicht nur bei Frauen zu der Frage, wie Freud f\u00fcr den Komplex, den er zur Beschreibung und zum genaueren Verst\u00e4ndnis der Besetzung einer sexuellen und sexuierten Position heranzieht, so wenig R\u00fccksicht auf das Geschlecht<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der mythischen ProtagonistInnen nehmen konnte. Als w\u00e4re \u00d6dipus vor allem bisexuell oder als w\u00e4re die Geschichte von Leben, Lieben und Sterben des \u00d6dipus ohne weiteres auf eine von \u00d6dipus&#8216; T\u00f6chtern \u00fcbertragbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist sie bekanntlich nicht. Und schon Freud hat erwogen, f\u00fcr die Entwicklung weiblicher Liebesf\u00e4higkeit eine eigenst\u00e4ndige Formulierung zu finden. Doch den von C.G. Jung eingef\u00fchrten Begriff des Elektrakomplexes wies er unter Hinweis, dass damit eine falsche Analogie hergestellt w\u00fcrde, zur\u00fcck (Freud 1932). Der \u00d6dipuskomplex habe im Vollsinn Bedeutung nur f\u00fcr das m\u00e4nnliche Kind (ebd., 521). Eine Analogie dazu finden zu wollen, verfehle die Verh\u00e4ltnisse beim M\u00e4dchen und bei der Frau. Es bleibt im Fortgang des Textes allerdings unklar, in welcher Hinsicht Freud die Analogie zur\u00fcckweist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hendrika Freud-Halberstadt fand den Ausdruck Elektrakomplex deshalb besonders passend, weil\u00a0 f\u00fcr das M\u00e4dchen Liebe und Hass in einem Objekt zusammenkommen, symbiotische W\u00fcnsche mit dem Verlangen nach Trennung verflochten sind. Michael Thalheimers gegenw\u00e4rtig im Burgtheater gezeigte Inszenierung von Hugo von Hofmannsthals (sp\u00e4terem Libretto zu Strauss&#8216; Oper) Elektra l\u00e4sst die Grenzen von Halberstadts Auffassung deutlich hervortreten. Thalheimers Elektra ist nicht so sehr von einem Zwiespalt zwischen einander widerstrebenden Wunschregungen gepr\u00e4gt als vom blanken Hass. Im Namen des Vaters, den sie kaum je genauer gekannt hat, w\u00fctet sie gegen die Mutter Klytemn\u00e4stra. Jeder Ausdruck einer Ann\u00e4herung an die Mutter erweist sich im n\u00e4chsten Moment als strategische T\u00e4uschung. Weiblichkeit w\u00e4re, so gelesen, eine einsame Wanderung auf einem schmalen Grad zwischen Hass und Wut auf ihr eigenes Geschlecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund lie\u00dfe sich die Zur\u00fcckweisung des Elektrakomplexes auch als Ablehnung von \/ Angst vor einer st\u00e4rker libidin\u00f6s gepr\u00e4gte Vorstellung von Weiblichkeit begreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Lit.<\/em>:<br \/>\nFreud, S. (1931): \u00dcber die weibliche Sexualit\u00e4t. GW XIV, 517-537.<br \/>\nHalberstadt-Freud, Hendricka C. (1998): Electra Versus Oedipus: Femininity Reconsidered. The International Journal of Psycho-Analysis 79, 41-56.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4478\" aria-describedby=\"caption-attachment-4478\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4478 size-medium\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Elektra-300x200-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4478\" class=\"wp-caption-text\"><em>Burgtheater (Wien): Elektra (Christiane von Poelnitz) und Klyt\u00e4mnestra (Catrin Siebeck)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Besch\u00e4ftigung mit dem \u00d6dipuskomplex f\u00fchrt nicht nur bei Frauen zu der Frage, wie Freud f\u00fcr den Komplex, den er zur Beschreibung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[47,89,95,120,145],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3449"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3449"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3449\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3449"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3449"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3449"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}