{"id":3362,"date":"2013-02-13T08:20:44","date_gmt":"2013-02-13T08:20:44","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=3362"},"modified":"2013-02-13T08:20:44","modified_gmt":"2013-02-13T08:20:44","slug":"3362","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2013\/02\/13\/3362\/","title":{"rendered":"Unl\u00f6sbare R\u00e4tsel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am vergangenen Donnerstag titelte <em>Paris Match<\/em>: &#8222;Das Geheimnis des ber\u00fchmten Bildes gel\u00fcftet. Hier das Gesicht vom &#8218;Ursprung der Welt&#8216;. Der obere Teil von Courbets Meisterst\u00fcck gefunden&#8220;. Eine \u00fcberraschende Wendung. Hatte Courbets Bild die \u00d6ffentlichkeit doch bisher mehr deswegen besch\u00e4ftigt, weil es immer wieder <a href=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/index.php\/2012\/09\/09\/der-ursprung-der-welt\/\">verschwunden<\/a> war. Pl\u00f6tzlich scheint es nun mehr zu sehen zu geben, als das Bild selbst je zu sehen geben konnte.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3371 aligncenter\" title=\"Paris-Match-Couv-Courbet2\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2013\/02\/Courbet2-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"243\" height=\"270\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bild hat nicht nur die Lacanforschung besch\u00e4ftigt, sondern es hat in j\u00fcngerer Zeit auch eine <a href=\"http:\/\/geeko.lesoir.be\/2011\/04\/13\/un-internaute-demande-reparations-a-facebook\/\">Debatte<\/a> \u00fcber Zensurierungen in Facebook ausgel\u00f6st. Die Frage, ob das aktuell gefundene Kunstwerk <a style=\"text-align: justify;\" href=\"http:\/\/www.lemonde.fr\/culture\/article\/2013\/02\/08\/le-poids-des-mots-le-choc-du-faux_1829215_3246.html\">tats\u00e4chlich<\/a> von Courbet stammt, muss an <a href=\"http:\/\/www.musee-orsay.fr\/fileadmin\/mediatheque\/integration_MO\/PDF\/CP\/CP_L_Origine_du_monde.pdf\">anderer Stelle<\/a> entschieden werden. Auch ob <a href=\"http:\/\/www.tootlafrance.ie\/?p=2000\">Irland<\/a> nun in besonderer Weise mit dem Bild verbunden ist, weil der gefundene Kopf zu einer irischen Frau geh\u00f6rt haben k\u00f6nnte, kann hier nicht weiter untersucht werden. Zweifellos stellt der aktuelle Fund einiges bisher zu diesem Kunstwerk Gedachte auf den Kopf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bisher konnte das Bild als eine (etwas schw\u00fclstige) metaphorische Darstellung von dem gelten, was pathetisch mit &#8222;dem Weiblichen&#8220; assoziiert wurde. Die Essenz von Weiblichkeit. Der Ursprung der Welt als das, was das Wesen der Frau ausmacht. Mit dem Kopf nebendran l\u00e4sst sich die Idee eines Gemeinsplatzes &#8222;der&#8220; Frau nicht mehr aufrecht erhalten. Pl\u00f6tzlich ist es eine bestimmte Frau, deren Zerst\u00fcckelung zum Zwecke der Herstellung eines Kunstwerkes mit oder ohne echtem Courbetkopf manifest geworden ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3416 aligncenter\" title=\"CourbetGESTUECKELT\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2013\/02\/CourbetGESTUECKELT-300x256.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"256\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bilder wirken vor allem durch das, was sie nicht zeigen. Diese Annahme gilt es zu pr\u00e4zisieren angesichts der Hype, die das gefundene Gesicht ausgel\u00f6st hat. Selbst wenn Bilder niemanden Bestimmten zeigen, in diesem Sinne etwas nicht zeigen, haben sie eine Wirkung. Doch diese Wirkung steigert sich, wenn etwas oder jemand Neues gezeigt wird auf einem Bild. Denn in diesem Moment wird ein Bild wie Courbets <em>L&#8217;Origine du Monde<\/em> gleicherma\u00dfen schematisch, substitutiv und intrinsisch aktiv (vgl. Bredekamp 2010). Die BetrachterInnen werden vom Bild in Bann gezogen. Ist das ein Kopf? Wem geh\u00f6rt der Kopf? Was will der Kopf mir sagen? Der acephale Trieb umkreist den Kopf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hoffnung, dass sich in dieser Kreisbewegung s\u00e4mtliche Unklarheit aufl\u00f6sen k\u00f6nnte, ist eine vergebliche. Hinter jeder Frage lauert die n\u00e4chste.<\/p>\n<p>Lit.:<br \/>\nBredekamp, Horst (2010): <em>Theorie des Bildakts.<\/em> Frankfurt\/M.: Suhrkamp.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen Donnerstag titelte Paris Match: &#8222;Das Geheimnis des ber\u00fchmten Bildes gel\u00fcftet. Hier das Gesicht vom &#8218;Ursprung der Welt&#8216;. 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