{"id":2487,"date":"2012-01-15T10:18:21","date_gmt":"2012-01-15T10:18:21","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=2487"},"modified":"2012-01-15T10:18:21","modified_gmt":"2012-01-15T10:18:21","slug":"ordination-dr-spielvogel-hilfe-alle-sind-depressiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2012\/01\/15\/ordination-dr-spielvogel-hilfe-alle-sind-depressiv\/","title":{"rendered":"Ordination Dr. Spielvogel: Kokosbusserln"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-weight: normal;\"><span style=\"color: #c0c0c0;\">Sehr verehrter, lieber Herr Doktor Speivogel!<br \/>\nIch bin sehr froh, dass Weihnachten endlich wieder vorbei ist. Blo\u00df: bei meinem Mann h\u00e4lt die Depression an. Er sagt es immer wieder.<br \/>\nIch meinerseits bin mir aber nicht sicher, dass das wirklich so ist. Man liest ja so vieles. Heute hat jeder eine Depression. Auch meine Mutter findet nicht mehr aus dem Bett. Ich komme mir schon wie ein halber Depp vor ohne eine richtige Depression.<br \/>\nGlauben Sie, w\u00fcrde es helfen, wenn ich noch einmal Kokosbusserln backe? Mein Mann isst die so gerne.<br \/>\nTrist<br \/>\nMelanie Kolia<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr geehrte Frau Kolia,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wie Recht Sie haben! Im Augenblick m\u00fcssen wir den Eindruck gewinnen, dass gar nichts und niemand mehr geht ohne Depression.\u00a0Da hat sich etwas ge\u00e4ndert, denn das war nicht immer so. Depressive St\u00f6rungen haben in den letzten vierzig Jahren in der sogenannten westlichen Welt in hohem Ausma\u00df zugenommen. W\u00e4hrend in den 1970ger Jahren etwa 0,5 % der Bev\u00f6lkerung an einer diagnostizierten Depression gelitten haben, sind es heute in vielen L\u00e4ndern zwischen 25 und 45 %.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings ist das &#8211; wie so oft &#8211; wohl nur die halbe Wahrheit. Wir sollten uns von den Klassifikationssystemen nicht t\u00e4uschen lassen. Darian Leader, ein britischer Psychoanalytiker, hat schon vor einiger Zeit <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ADpi2-4vSro\">gemeint<\/a>, dass sich nicht die Erkrankungsh\u00e4ufigkeit z.B. von Depressionen in den letzten drei\u00dfig Jahren ge\u00e4ndert hat, sondern die Definition von dem, was f\u00fcr krank gehalten wird. Ganz wichtig scheint dabei zu sein, dass die\u00a0Symptome, die wir\u00a0heutzutage charakteristischerweise einer Depression zuordnen, vor allem <em>durch Medikamente beeinflussbar<\/em> sind.\u00a0In Deutschland werden die Dinge manchmal ja recht undiplomatisch auf den Punkt gebracht. Dort wurde dieser Zusammenhang jedenfalls vor einigen Jahren als <em>medizinisch-industrieller Komplex <\/em>bezeichnet (Pohlen \/ Bautz-Holzherr 2000).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fr\u00fcher wurde nicht von einer Depression, sondern von der Melancholie gesprochen, von der\u00a0<em>acedia<\/em>, der Tr\u00e4gheit des Herzens, und von ihren sechs T\u00f6chtern &#8211; der Bosheit, dem Groll, der Kleinm\u00fctigkeit, der Verzweiflung, der stumpfen Gleichg\u00fcltigkeit und der schweifenden Unruhe des Geistes. Gegen die ist kein Kraut gewachsen, wenn der eigene Mann mit der Mutter im Bette liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Empfehlung: Backen Sie noch eine Ladung Kokosbusserln. Und lassen Sie sich die gut schmecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herzlich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr Dr. Spielvogel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr verehrter, lieber Herr Doktor Speivogel! 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