{"id":2253,"date":"2011-10-29T16:41:19","date_gmt":"2011-10-29T16:41:19","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=2253"},"modified":"2011-10-29T16:41:19","modified_gmt":"2011-10-29T16:41:19","slug":"frustlust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2011\/10\/29\/frustlust\/","title":{"rendered":"Frustlust"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die\u00a0 These von der zunehmenden Lustfeindlichkeit der Gesellschaft ist alles andere als neu. Dennoch wird sie von manchen Theoretikern bis heute wiederholt &#8211; wie ein alter, liebgewonnener Schlager. Als w\u00e4re allein sie in der Lage, eine kritische Position gegen\u00fcber neoliberalen Verformungen des Subjekts aufzubauen. Die (vor dem Hintergrund der allgemeinen Lustfeindlichkeit erstaunlich) verbreitete Freud&#8216; an der Lust verschafft solchen Theorien oftmals eine gewisse Anerkennung &#8211; nicht zuletzt, weil diese Theorien, in denen von einer angeblich verlorenen Lust die Rede ist, Spa\u00df machen und\u00a0insofern leichter zu popularisieren sind als andere.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2252 aligncenter\" title=\"Zungenfrosch\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2011\/11\/Zungenfrosch-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"185\" height=\"185\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch bleibt einiges mit ihnen unklar. Was genau haben wir uns unter einer Lust vorzustellen, die angeblich nicht nur bek\u00e4mpft sondern geradezu vom Verschwinden bedroht wird &#8211; etwa durch ein breit eingef\u00fchrtes Verbot des Rauchens? Wie lassen sich Gebote solcher angeblicher Lustlosigkeit allgemein durchzusetzen? Was geschieht aus einer psychoanalytisch-\u00f6konomischen Perspektive, wenn dem Lust-Ich &#8222;Schluss mit lustig&#8220; befohlen wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freud traut dem Schein der Lustlosigkeit weniger. &#8222;Die Einzelheiten des Vorganges, durch welchen die Verdr\u00e4ngung eine Lustm\u00f6glichkeit in eine Unlustquelle verwandelt, sind noch nicht gut verstanden oder nicht klar darstellbar, aber sicherlich ist alle neurotische Unlust von solcher Art, ist Lust, die nicht als solche empfunden werden kann&#8220; (Freud 1920, 6). Die Lust verbirgt sich also oftmals hinter nur scheinbar lustlosen Formen. Ein wichtiges Beispiel solcher verdeckter Lust ist f\u00fcr Freud der masochistische Schmerz. Freud nimmt hier an, dass die Todestriebe durch die Libido gebunden werden k\u00f6nnen &#8211; die nach au\u00dfen gerichteten Anteile, die vom Todestrieb bestimmt sind, erm\u00f6glichen einen sadistischen Lustgewinn, die innen gebundenen Anteile speisen masochistische Triebqualit\u00e4ten (Freud 1924, 375).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die M\u00f6glichkeit, in so kurzer Zeit in so vielen Staaten so umfassende Rauchverbote zu erlassen, w\u00e4re vor diesem Hintergrund keine Frage der Lustlosigkeit oder Lustfeindlichkeit, sondern sie w\u00e4re als sadomasochistische Variante anzusehen, im Rahmen derer das gesetzlich geregelte Qu\u00e4len der RaucherInnen in ritualartigen Inszenierungen gesamtgesellschaftlich mit nicht geringem Lustgewinn bef\u00f6rdert wird. Die Geschwindigkeit dieser Entwicklung ist in Zusammenhang zu sehen mit der perversen Struktur des Masochismus: Der Masochist spielt mit. Das Verbot wird geradezu ersehnt von dem Gequ\u00e4lten.<\/p>\n<p><em>Lit.:<\/em><br \/>\nFreud, Sigmund (1920): Jenseits der Lustprinzips, in: GW\u00a0 XIII, 3-69.<br \/>\nFreud, Sigmund (1924): Das \u00f6konomische Prinzip des Masochismus, in: GW XIII, 371-383.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die\u00a0 These von der zunehmenden Lustfeindlichkeit der Gesellschaft ist alles andere als neu. 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