{"id":2228,"date":"2011-10-08T14:30:32","date_gmt":"2011-10-08T14:30:32","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=2228"},"modified":"2011-10-08T14:30:32","modified_gmt":"2011-10-08T14:30:32","slug":"wahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2011\/10\/08\/wahn\/","title":{"rendered":"Ein Symptom?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Der Wahn bildet einen Knotenpunkt. Er ist eines von jenen Worten, in denen sich verschiedene Diskurse verknoten. Im psychopathologischen Diskurs gilt er als Symptom. Einen Hinweis auf verschiedene behandlungsbed\u00fcrftige Erkrankungen bezeichnet er in psychiatrischen Diskursen. In psychoanalytischen Diskursen wird er alsVersuch einer Bew\u00e4ltigung angesehen. In philosophischen Diskursen fungiert er oftmals synonym mit dem Wahnsinn als kritischer Gegenbegriff zur Vernunft. Auch kulturwissenschaftliche und psychiatriekritische Diskurse verwenden ihn bisweilen ungetrennt vom Wahnsinn, um an seinem Beispiel problematische Normalisierungstendenzen aufzuzeigen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Psychoanalyse Freuds, mit einer kritischen Psychiatriegeschichtsschreibung und den kulturgeschichtlichen Untersuchungen von Michel Foucault, mit der Philosophie seit dem 19. Jahrhundert geh\u00f6ren Themen wie Wahn und Wahnsinn in die Geschichte der Selbstkritik der abendl\u00e4ndischen Vernunft. Sie konfrontieren mit Fragen, wie es mit der eigenen Rationalit\u00e4t, Normalit\u00e4t und Realit\u00e4t bestimmt ist und stellen diese auch infrage. Eine Rationalit\u00e4t, die sich auf den Wahn einl\u00e4sst und sich von ihm bleibend beunruhigen l\u00e4sst, kann ihm nicht von vornherein einfach einen Platz zuweisen, ihn in einen allgemeinen Vernunftraum als blo\u00dfen Mangel oder Defizit einordnen oder von einer fraglos vorausgesetzten Normalit\u00e4t aus als anormal abtun. Offen ist insbesondere angesichts von einzelnen gegenw\u00e4rtigen Entwicklungen, in denen wahnartig anmutende extremistische Positionen zum Motiv von politischem Handeln werden, wie weit eine solche Infragestellung gehen soll. Das ist keine neue Frage. Auch in der Geschichte finden sich darauf mehrere Antworten, die bis hin zu einer Romantisierung des Wahns reichen. Psychopathologisch wird indes deutlich, dass eine diametrale Gegen\u00fcberstellung von Wahn und Rationalit\u00e4t nicht ausreicht, um die Vielfalt der Ph\u00e4nomene zu erfassen. Begriffe wie wahnhafte \u00dcberzeugungen oder fixe Ideen lassen zumindest ahnen, dass zwischen einem Wahn und sogenannten rationalen Einsichten graduelle \u00dcberg\u00e4nge gedacht werden k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der soeben erschienene Sammelband <em>Wahn. Philosophische, psychoanalytische und kulturwissenschaftliche Perspektiven<\/em>, Wien: <a href=\"http:\/\/www.turia.at\/navig\/indxp.html\">turia + kant<\/a> (hg. von Gerhard Unterthurner und Ulrike Kadi), aus dessen Vorwort das obige Zitat stammt, enth\u00e4lt Beitr\u00e4ge zu diesen und anderen Wahnthemen von Rudolf Bernet, Andreas Cremonini, Herbert Hrachovec, Ulrike Kadi, Christian Kupke, Alice Pechriggl, Susanne Regener, Marc R\u00f6lli, August Ruhs, Karl Stockreiter, Thomas Stompe \/ Hans Schanda, Gerhard Unterthurner und Christoph Weinberger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-2233\" title=\"wahn\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2011\/10\/wahn-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Der Wahn bildet einen Knotenpunkt. 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