{"id":2202,"date":"2011-09-30T16:27:40","date_gmt":"2011-09-30T16:27:40","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=2202"},"modified":"2011-09-30T16:27:40","modified_gmt":"2011-09-30T16:27:40","slug":"das-unbewusste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2011\/09\/30\/das-unbewusste\/","title":{"rendered":"Das Unbewusste und der andere"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In einem <a href=\"http:\/\/www.psa-werkstattberichte.de\/Originalarbeiten\/originalarbeiten.html\">Vortrag<\/a> zum 40-j\u00e4hrigen Bestehen des <em>Lehrinstituts f\u00fcr Psychoanalyse und Psychotherapie Hannover <\/em>stellt Christa Rohde-Dachser 2005 vier verschiedene Konzeptionen des Unbewussten vor, die aus ihrer Sicht in der Psychoanalyse eine Rolle spielen. Sie kennzeichnet Freuds Konzept des Unbewussten als eines, das in seiner Triebtheorie verankert, im wesentlichen durch unbewusste W\u00fcnsche gekennzeichnet ist, die &#8211; weil verdr\u00e4ngt &#8211; eine besondere Wirksamkeit entfalten. Angestrebt wird mit diesen W\u00fcnschen eine Befriedigungserfahrung, die als vorausgegangen vorgestellt und als verloren erlebt wird. <!--more-->Im Unterschied zu Freuds Konzept, das eine Lusterfahrung in den Vordergrund r\u00fcckt, ist das Unbewusste, dem sich Klein widmet, eines, das durch eine Reihe von inneren Katastrophen gepr\u00e4gt ist. Anders als Freud, dessen Unbewusstes den Tod nicht kennt, ist f\u00fcr Klein der Todestrieb im Unbewussten repr\u00e4sentiert, und Entwicklung wird als ein Kampf zwischen Lebens- und Todestrieben begriffen, die sich in Form von guten und b\u00f6sen Objekten darstellen. Rohde-Dachser hebt die unterschiedlichen geschlechtsspezifischen F\u00e4rbungen beider Konzeptionen hervor: W\u00e4hrend Freud das Moment der Gefahr, des Todes mit der Kastrationsangst als ein m\u00e4nnliches versinnbildlicht, sind es bei Klein \u00c4ngste vor der eigenen Aggression, vor Schuldgef\u00fchlen, vor jenen Momenten also, die in der Trennung zwischen Tochter und Mutter besonderes Gewicht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bion verzichtet auf den Begriff des Unbewussten, spricht statt dessen vom Unendlichen, einem Zustand jenseits des Zeitgef\u00fchls. Die relationale Psychoanalyse schlie\u00dflich versteht unter dem Unbewussten etwas, was sich nur in der Pr\u00e4senz des Anderen bzw. in der Interaktion mit diesem Anderen manifestieren kann. Der Bezug zum Anderen findet sich auch in Lacans \u00dcberlegungen zum Unbewussten. Im <em>Seminar III<\/em> \u00fcber <em>Die Psychosen<\/em> spricht Lacan von der M\u00fchle des Sprechens im Unbewussten, die auch ohne Hinwendung des Bewusstseins klappert. Als ein angeblich innerer Monolog ist dieses Sprechen nur die Fortsetzung eines \u00e4u\u00dferen Dialoges, weshalb das Unbewusste auch als Diskurs des anderen anzusehen ist (Lacan 1997, 135) .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Colette Soler verbindet mit diesem Begriff des Unbewussten bei Lacan die Vorstellung, dass das Unbewusste entziffert werden k\u00f6nnte. Im <em>Seminar XX<\/em>, <em>Encore<\/em>, verliert es, Soler zufolge, diese Entzifferbarkeit: &#8222;L&#8217;inconscient, c&#8217;est le myst\u00e8re du corps parlant, c&#8217;est le r\u00e9el&#8220; (Lacan 1975, 118). Lalangue wird zum Ort des Wissens, das den K\u00f6rper affiziert (Soler 2011, 102). Der \u00e4u\u00dfere Dialog mit dem anderen kann nicht in diesen K\u00f6rper eindringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die oben beschriebenen Versionen des Unbewussten dr\u00fccken sich bekanntlich in unterschiedlichen Behandlungsprinzipien aus. In diesem Sinne w\u00e4re zu fragen, ob und wie ein unentzifferbares Unbewusstes die Praxis der Psychoanalyse modifiziert.<\/p>\n<p>Literatur:<br \/>\nLacan, Jacques (1975): <em>Le S\u00e9minaire. Livre XX. Encore.<\/em> Paris: Seuil.<br \/>\nLacan, Jacques (1997): <em>Das Seminar. Buch III. Die Psychosen.<\/em> Weinheim, Berlin: Quadriga.<br \/>\nSoler, Colette (2011):<em> Les affects lacaniens. <\/em>Paris: Presses Universitaires de France.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Vortrag zum 40-j\u00e4hrigen Bestehen des Lehrinstituts f\u00fcr Psychoanalyse und Psychotherapie Hannover stellt Christa Rohde-Dachser 2005 vier verschiedene Konzeptionen des Unbewussten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,13],"tags":[69,80,142],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2202"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2202"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2202\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2202"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2202"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2202"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}