{"id":1536,"date":"2011-08-31T05:23:54","date_gmt":"2011-08-31T05:23:54","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=1536"},"modified":"2011-08-31T05:23:54","modified_gmt":"2011-08-31T05:23:54","slug":"subjektlos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2011\/08\/31\/subjektlos\/","title":{"rendered":"Subjektlos: den Anderen los?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der herbstliche Wiederbeginn nach einer sommerlichen Pause ist m\u00fchevoll und hat \u00c4hnlichkeit mit dem morgendlichen Aufwachen. &#8222;Nein, bitte noch nicht, nur noch ein bisschen l\u00e4nger &#8211; nur noch die letzten warmen Tage genie\u00dfen.&#8220; Als l\u00e4ge in diesem Abschied eine kleine \u00dcberforderung.\u00a0<!--more--> Eine solche \u00dcberforderung l\u00e4sst sich in Begriffen von Begehren und Genie\u00dfen denken. Wenn wir den sommerlichen Zustand als Genie\u00dfen auffassen wollen &#8211; subjektlos, weil Genie\u00dfen in all seiner grausamen Sch\u00f6nheit stets subjektlos ist &#8211; k\u00f6nnen wir den Herbst als eine Formation zur Installierung des Begehrens ansehen. Es wird ein Mangel eingef\u00fchrt, ein Subjekt formiert sich angesichts eines vom Anderen geforderten Verzichts. So wird die Einf\u00fchrung des v\u00e4terlichen Gesetzes oder des Inzestverbotes bisweilen gedacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein Gedanke, der sich gut machen w\u00fcrde in einer christlichen Morallehre. Wir k\u00f6nnen ihn als das Modell &#8222;Eidechse&#8220; bezeichnen: Wie die Eidechse in der Not auf ihren Schwanz verzichtet, so l\u00e4sst das Subjekt das Genie\u00dfen fallen (Lacan 1964, S. 15) (und fasst es dann als Phallus oder als sonst eine Bildung vom Typus Objekt a auf). Die Eidechse ger\u00e4t in Not angesichts eines bedrohlichen Anderen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Lacan die Existenz des gro\u00dfen Anderen in Zweifel zieht, sagt er dann: Menschen sind keine Eidechsen?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1571 aligncenter\" title=\"Eidechse2\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2011\/08\/Eidechse21-300x262.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"262\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts der Frage nach dem gro\u00dfen Anderen sollten wir die Perspektive, aus der gesprochen wird, im Auge zu behalten: Ob Gott existiert oder nicht, ist keine Frage der Psychoanalyse. Die interessiert sich f\u00fcr etwas anderes, nicht f\u00fcr den Anderen. Das schlie\u00dft allerdings gewisse Irrt\u00fcmer nicht aus: Vom Subjekt wird Gott &#8222;etwas untergeschoben, was Sache des K\u00fcnstlers ist&#8220; (Lacan 2005, S. 64, in Max Kleiners \u00dcbersetzung auf Seite 52). Der Umgang mit dem Genie\u00dfen ist eine gro\u00dfe Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sind Menschen nun wie Eidechsen oder nicht? Das Genie\u00dfen, so wie Lacan den Ausdruck verwendet, hat seine f\u00fcrchterlichen Seiten. Wer gerade genie\u00dft, kann nicht sprechen, f\u00fcr den existiert nichts. Der K\u00fcnstler kann aus diesem Zustand etwas machen &#8211; bei Joyce ist die Verformung von Sprache Teil seiner Kunst. Die Angst l\u00e4sst sich damit binden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal halten sich Menschen doch lieber f\u00fcr Eidechsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1566\" title=\"Eidechse\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/\/2011\/08\/Eidechse1.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"148\" \/><\/p>\n<p><em>Lit.:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lacan, Jacques (1964): \u00dcber den \u2018Trieb\u2019 bei Freud und das Begehren des Psychoanalytikers, in: Kupke, Christian (Hg.): Lacan. Trieb und Begehren. Berlin: Parodos 2007, 13-17.<br \/>\nLacan, Jacques (2005): Le s\u00e9minaire. Livre XXIII. Le sinthome, Paris: Seuil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der herbstliche Wiederbeginn nach einer sommerlichen Pause ist m\u00fchevoll und hat \u00c4hnlichkeit mit dem morgendlichen Aufwachen. &#8222;Nein, bitte noch nicht, nur noch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,13],"tags":[22,36,46],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1536"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1536"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1536\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1536"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1536"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1536"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}