{"id":1333,"date":"2011-06-19T15:44:11","date_gmt":"2011-06-19T15:44:11","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=1333"},"modified":"2011-06-19T15:44:11","modified_gmt":"2011-06-19T15:44:11","slug":"rendevous-mit-der-kastration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2011\/06\/19\/rendevous-mit-der-kastration\/","title":{"rendered":"Rendezvous mit der Kastration"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4681 aligncenter\" src=\"http:\/\/kadicorps.philo.at\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Daumenlutscher-300x194.jpg\" alt=\"daumenlutscher\" width=\"300\" height=\"194\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Karl Stockreiter hat zuletzt den spannenden Gedanken ge\u00e4u\u00dfert, dass eine Psychoanalyse als ein <em>Rendezvous mit dem Realen<\/em> aufgefasst werden k\u00f6nnte. Angesichts von einer Vorliebe des sp\u00e4ten Lacan und so mancher zeitgen\u00f6ssicher LacanleserInnen f\u00fcr das Reale\u00a0 (oft bleibt dabei ein wenig unklar,<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">was mit &#8222;dem Realen&#8220; gemeint ist), liegt eine solche Annahme im Trend einer bestimmten Lekt\u00fcre. Angesichts von einer subtilen Unterscheidung, die Lacan im Seminar V (unter R\u00fcckgriff auf Seminar IV) darstellt, scheint mir eine Privilegierung eines einzelnen Registers in der Behandlung dennoch diskussionsw\u00fcrdig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Unterscheidung betrifft den Penisneid und damit die Art und Weise, wie die Kastration als die Einf\u00fchrung eines allgemeinen Mangels auf ein M\u00e4dchen trifft. Lacan unterscheidet in der XV. Sitzung seines <em>Seminar V Die Bildungen des Unbewu\u00dften <\/em>drei verschiedene Formen, in denen Penisneid auftritt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>I Penisneid mit einer Phantasievorstellung<\/strong>: So beschreibt Lacan den Wunsch des M\u00e4dchens, dass die Klitoris ein Penis sein m\u00f6ge. Hier betrifft eine <strong>symbolische Kastration<\/strong> ein <strong>imagin\u00e4res Objekt<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>II Penisneid auf den Penis des Vaters in der Realit\u00e4t<\/strong>: Das M\u00e4dchen f\u00fchlt sich benachteiligt, will den Gegenstand der Benachteiligung von der Mutter, von der es sich entt\u00e4uscht f\u00fchlt, zur\u00fcckfordern. Hier bezieht sich eine <strong>imagin\u00e4re Frustration<\/strong> auf ein <strong>reales Objekt<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>III Penisneid auf der Suche nach geeignetem Ersatz<\/strong>: Das M\u00e4dchen hat das konkrete Existieren des v\u00e4terlichen Penis und dessen Fehlen bei sich selbst akzeptiert und sucht nach \u00c4quivalenten in der Realit\u00e4t (Wunsch nach Kind vom Vater). Hier f\u00fchrt eine <strong>reale Privation<\/strong> zu einem <strong>symbolischen Objekt<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Weg von der symbolischen Kastration zu einem symbolischen Objekt, auf das es zu verzichten gilt, l\u00e4uft, wie in dieser \u00dcberlegung sehr sch\u00f6n deutlich wird, \u00fcber eine Reihe von Operationen im Imagin\u00e4ren und im Realen. Die verschiedenen Formen, in denen Mangel erfahren und die unterschiedlichen Objekte, an denen er festgemacht wird, lassen mich vermuten, dass eine Beschr\u00e4nkung auf ein einzelnes Register eine Reduktion der Komplexit\u00e4t darstellt, deren Zweck ich nicht recht sehe. Ist nicht das, was in einer Analyse wieder und wieder geschieht, treffender gefasst, wenn wir es als <em>Rendezvous mit der Kastration<\/em> ansehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Lit.:<\/em><br \/>\nLacan, Jacques (1998): Das Seminar. Buch V. Die Bildungen des Unbewussten (1957-1958). Wien: turia + kant 2006.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Stockreiter hat zuletzt den spannenden Gedanken ge\u00e4u\u00dfert, dass eine Psychoanalyse als ein Rendezvous mit dem Realen aufgefasst werden k\u00f6nnte. 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