{"id":1206,"date":"2011-05-13T14:19:51","date_gmt":"2011-05-13T14:19:51","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=1206"},"modified":"2011-05-13T14:19:51","modified_gmt":"2011-05-13T14:19:51","slug":"heftige-frauen-und-ambivalente-manner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2011\/05\/13\/heftige-frauen-und-ambivalente-manner\/","title":{"rendered":"Heftige Frauen und ambivalente M\u00e4nner"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Film <em>The Seventh Victim<\/em> von Val Lewton, den Christian Cargnelli am 12. Mai 2011 in der Reihe <em>psynema Licht in dunklen Raeumen<\/em> kommentiert hat, macht auf cinematographischer Ebene eine Spannung fassbar, in der jede Praxis der Psychoanalyse steht: Wie k\u00f6nnen angesichts bekannter Stereo- und Prototypen individuelle und bisweilen neue Muster als solche erkannt werden?<!--more--><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"1170\" height=\"878\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/P9H7rUJi7NQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Film ist ein Hollywoodfilm, der &#8211; wie Christian Cargnelli deutlich gemacht hat &#8211; eine Reihe von Regeln nicht einh\u00e4lt, die zum Zeitpunkt seiner Produktion in Hollywood bestanden haben. Dazu geh\u00f6rt beispielsweise die st\u00e4rkere Betonung von Konflikten gegen\u00fcber nur leisen Andeutungen m\u00f6glicher L\u00f6sungen. Oder die Art und Weise, wie die Verh\u00e4ltnisse zwischen den Geschlechtern gestaltet werden, wenn Mary auf Gregorys Gest\u00e4ndnis seiner Liebe zu ihr im Gegenzug zwar lapidar zustimmt &#8211; ja, sie liebe ihn auch -, vor allem aber auf ihre Schwester verweist. Und auch das Ende des Films, das hier nicht verraten werden soll,\u00a0 bricht mit (zum Teil bis heute) geltenden Konventionen der Wunscherf\u00fcllungsfabrik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Horrorfilm widmet sich <em>The Seventh Victim<\/em> dem B\u00f6sen und dem Dunklen. In der griechischen Mythologie sind es oftmals Frauen, die die dunkle, vom Todestriebhaften bestimmte Seite des Subjekts verk\u00f6rpern. Ohne viel Nachdenken kommen einer\u00a0 als Beipiele Medea, Elektra, die Erinnyen in den Sinn. Gefahr und Bedrohung mit etwas Weiblichem zu verbinden, hat eine lange Tradition, zu der auch geh\u00f6rt, dass die Frau &#8211; in der Art einer Reaktionsbildung &#8211; oftmals als Opfer gedacht wird. In Jacquelines Rolle im Film werden gerade diese \u00dcberg\u00e4nge an manchen Stellen fassbar. Das B\u00f6se als etwas Abgr\u00fcndiges wird \u00e4hnlich wie das Passive tendenziell einseitig <em>&#8222;genderifiziert&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter <em>gender<\/em> werden Stereotypen, die oftmals zu Prototypen erkl\u00e4rt werden, versammelt. \u00c4hnlich wie sich mit dem Gedanken an einen Hollywoodfilm eine Reihe von fr\u00f6hlichen Selbstverst\u00e4ndlichkeiten verbindet und mit dem weiblichen Geschlecht in diesen Filmen eine mehr oder minder klar definierte Versammlung von Eigenschaften, stehen auch weibliches oder m\u00e4nnliches <em>gender<\/em> f\u00fcr eine Reihe von plus\/minus verl\u00e4sslichen Attributen. Manche Leute glauben jedenfalls bis heute, dass Frauen eher die Hausarbeit machen oder dass M\u00e4nner sich in besonderer Weise f\u00fcr Cabriolets interessieren. <em>The Seventh Victim<\/em> ist vor allem deswegen ein \u00e4u\u00dferst spannender Film, weil er die Regeln, auf denen er basiert, an vielen Stellen bricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist mit dem <em>gender<\/em> von Subjekten nicht anders. Frauen- und M\u00e4nnerrollen lassen sich heute weniger deutlich voneinander unterscheiden als noch vor ein paar Jahrzehnten. Doch die Anerkennung dieser Tatsache w\u00fcrde psychoanalytische Theorie wie Praxis vor schwierige erkenntnistheoretische Probleme stellen: Denn wenn die Vorstellungen \u00fcber Weiblichkeit und M\u00e4nnlichkeit historisch bestimmt und vor allem nicht verallgemeinerbar sind, wie lassen sich dann Phantasmen \u00fcber das eigene Geschlecht und \u00fcber andere noch als solche benennen? Allgemein g\u00fcltige Geschlechtscharaktere l\u00f6sen sich auf, weil ihnen die gesellschaftliche Anerkennung abhanden gekommen ist. Anstatt auf eigene stereotype Muster zur\u00fcckzugreifen, k\u00f6nnten wir uns fragen, wie wir umgehen sollen mit der Tatsache, dass unsere Vorstellung vom eigenen wie vom fremden Geschlecht immer auch von einer \u00e4u\u00dferen Lebensrealit\u00e4t bestimmt ist, in der heute nicht mehr allus beim Alten ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Film The Seventh Victim von Val Lewton, den Christian Cargnelli am 12. 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