{"id":1193,"date":"2011-04-30T16:29:27","date_gmt":"2011-04-30T16:29:27","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=1193"},"modified":"2011-04-30T16:29:27","modified_gmt":"2011-04-30T16:29:27","slug":"geschlechter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2011\/04\/30\/geschlechter\/","title":{"rendered":"Geschlecht und sexuelle Freiheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Folgendes Buch lohnt die Lekt\u00fcre: Der Sexuologe Volkmar Sigusch hat eine Textsammlung ver\u00f6ffentlicht, die vor allem durch ihre Unaufgeregtheit besticht in Feldern, in denen gegenw\u00e4rtig unter viel L\u00e4rm mit alten Ordnungen abgerechnet wird. Da werden etwa feinere Unterscheidungen eingebracht in die Debatte um Missbrauch und P\u00e4dophilie. Sigusch unterscheidet zwischen verschiedenen Profilen von Missbrauchst\u00e4tern, zwischen verschiedenen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Institutionen, in denen Missbrauch Unterschiedliches bedeutet, zwischen verschiedenen Zeiten, zu denen Missbrauch thematisiert werden kann oder verschwiegen werden muss, zwischen verschiedenen zu unterschiedlichen Zeiten als pervers angesehenen Praktiken, zwischen verschiedenen Formen von P\u00e4dophilie auf einem Kontinuum von einer, die Grenzen schaffenden und wahrenden erwachsener Zuwendung bis hin zur suchtartigen Fixierung, zwischen verschiedenen Paradigmata zur kulturellen Einbettung der Sexualit\u00e4t, die in den vergangenen 200 Jahren zum zentralen Repertoire des Selbstverst\u00e4ndnisses der Subjekte in Nordamerika und Europa geh\u00f6rt haben.\u00a0 \u00c4hnlich verf\u00e4hrt Sigusch hinsichtlich der Bisexualit\u00e4t. Da unterscheidet er vier Bisexualit\u00e4tsbegriffe (philosophisch anthropologisch, biologisch somatologisch, psychoanalytisch seelentheoretisch, sozologisch sexualwissenschaftlich) und sechs Formen der Bisexualit\u00e4t (Strukturbisexuelle, Verhaltens-Bisexuelle, \u00dcbergangsbisexuelle, Konfliktbisexuelle, Exklusivit\u00e4tsbisexuelle, Kompensationsbisexuelle, Flexibilit\u00e4tsbisexuelle).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und manchmal haben diese Unterscheidungen auch ironischen Charakter, wie diejenige zwischen Trans- und Zissexuellen. Letzterer ist durch ein Zusammenfallen von K\u00f6rpergeschlecht und Geschlechtsidentit\u00e4t gekennzeichnet. \u201eDer Begriff dient also dazu, etwas scheinbar Nat\u00fcrliches zu hinterfragen. Es ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit einem weiblichen K\u00f6rper so zu f\u00fchlen und zu empfinden, wie es zu einer bestimmten Zeit und in einer bestimmten Kultur bei allen Frauen angeblich der Fall sei\u201c (Sigusch\u00a0 2011,102).\u00a0 Die alte Sexuologie kannte den Ausdruck \u201eCisvestiten\u201c als eine Pathologie,\u00a0 im Rahmen derer sich jemand zwecks Verschleierung seiner Herkunft oder seines Standes mit Kleidern des erstrebten Ranges schm\u00fcckte, wobei Sigusch ausdr\u00fccklich betont, dass er mit der Inflation an pathologischen Ph\u00e4nomenen nichts zu tun haben will (ebd., 138).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Volkmar Sigusch (2011): <em>Auf der Suche nach der sexuellen Freiheit. \u00dcber Sexualforschung und Politik<\/em>. Frankfurt\/M.: Campus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folgendes Buch lohnt die Lekt\u00fcre: Der Sexuologe Volkmar Sigusch hat eine Textsammlung ver\u00f6ffentlicht, die vor allem durch ihre Unaufgeregtheit besticht in Feldern, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,13],"tags":[27,96,153],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1193"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1193"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1193\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1193"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1193"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1193"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}