{"id":1131,"date":"2011-04-03T15:35:31","date_gmt":"2011-04-03T15:35:31","guid":{"rendered":"http:\/\/stuzzicadenti.at\/?p=1131"},"modified":"2011-04-03T15:35:31","modified_gmt":"2011-04-03T15:35:31","slug":"jouissance-ein-heterogenes-konzept","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/2011\/04\/03\/jouissance-ein-heterogenes-konzept\/","title":{"rendered":"Jouissance: ein heterogenes Konzept"},"content":{"rendered":"<p><!-- @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } --><\/p>\n<p lang=\"fr-FR\" style=\"text-align: justify;\">Die Frage nach der <em>jouissance<\/em> geh\u00f6rt nach Ritter zu den schwierigsten in der Psychoanalyse Lacans, weil sie sich quer \u00fcber dessen Werk zerstreut beantwortet findet und weil das dabei abgesteckte Feld der <em>jouissance<\/em> in sich uneinheitlich ist. Implizit enth\u00e4lt z.B. schon das Spiegelstadium einen Verweis auf eine <em>jouissance<\/em>. Laut Ritter l\u00e4sst sich die jubilatorische Reaktion vor dem Spiegel so lesen. Eine Ausarbeitung des Konzepts beginnt mit dem <em>Seminar V<\/em> (1957-1958) \u00fcber <em>Die Bildungen des Unbewu\u00dften<\/em>.<\/p>\n<p lang=\"fr-FR\" style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1960 formuliert Lacan Folgendes: Die <em>jouissance<\/em> ist demjenigen, der von ihr als solcher spricht, im selben Moment verboten, in welchem er von ihr spricht. &#8222;Sie kann f\u00fcr jeden, der als Subjekt dem Gesetz unterworfen ist, nur zwischen den Zeilen ausgedr\u00fcckt werden, weil das Gesetz sich eben auf jene Untersagung gr\u00fcndet. [&#8230;] W\u00fcrde n\u00e4mlich das Gesetz befehlen: Jouis, genie\u00dfe, so k\u00f6nnte das Subjekt nicht anders antworten als mit einem J&#8217;ou\u00efs, ich h\u00f6re, wobei der Gedanke an Genu\u00df nur noch der Hintergedanke w\u00e4re&#8220; (Lacan 1960, 198). Die <em>jouissance<\/em> wird hier als ein dem Sprechen entgegen gesetzter Zustand des Seins verstanden. Begehren und Genie\u00dfen finden sich in einem diametralen Gegensatz, was sich auch in folgendem Satz im selben Text darstellt: &#8222;Denn das Begehren ist eine Abwehr, die Abwehr dagegen, eine Grenze im Genie\u00dfen zu \u00fcberschreiten&#8220; (ebd., 202).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im SE XII <em>L&#8217;objet de la psychanalyse<\/em> hei\u00dft es, in der Antike sei der Sklave die <em>jouissance<\/em> gewesen, der daf\u00fcr reservierte Bestand (SE XIII, Sitzung vom 20.4.1966). Im selben Seminar meint Lacan, seine Definition der <em>jouissance<\/em> (die er hier mit\u00a0 dem deutschen Ausdruck &#8222;Lust&#8220; \u00fcbersetzt), best\u00fcnde nur darin zu sagen, dass es einem K\u00f6rper vorbehalten sei, zu genie\u00dfen oder nicht zu genie\u00dfen (ebd., Sitzung vom 27.4.1966). Hier wird die <em>jouissance<\/em> nicht von einem Gegensatz zum Begehren, nicht in Zusammenhang mit einem Mangel, sondern vom K\u00f6rper her begriffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <em>jouissance<\/em> ger\u00e4t innerhalb weniger Jahre von einem Hintergedanken zu einer Sache des K\u00f6rpers, die weniger im Hinblick auf ihre Begrenzungen, Einschr\u00e4nkungen oder Verbote als auf ihre Existenz hin untersucht wird. Verbunden damit, dass Lacan den K\u00f6rper in seinen sp\u00e4ten Arbeiten als den Ort des Anderen fasst, ergeben sich eine Reihe weiterer Forschungsperspektiven.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Literatur<\/em>:<br \/>\nLacan, Jacques (1960): Subversion des Subjekts und Dialektik des Begehrens im Freudschen Unbewussten, in: ders. (1991), <em>Schriften II<\/em>, Weinheim, Berlin: Quadriga, 165-230.<br \/>\nLacan, Jacques (unver\u00f6ffentlicht): Le Seminaire. Livre XIII (1965-1966). L&#8217;objet de la psychanalyse. Transkripte der Seminarsitzungen finden sich <a href=\"http:\/\/gaogoa.free.fr\/\">hier <\/a><br \/>\nRitter, Marcel \/ Jean-Marie Jadin (2009): <em>La jouissance au fil de l\u2019enseignement de Lacan<\/em>. Paris: Er\u00e8s.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage nach der jouissance geh\u00f6rt nach Ritter zu den schwierigsten in der Psychoanalyse Lacans, weil sie sich quer \u00fcber dessen Werk [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,13],"tags":[46,69,80],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1131"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1131"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1131\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1131"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1131"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kadi.philo.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1131"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}